Das 54. Deutsch-Amerikanische Volksfest

…ist gleichzeitig das vielleicht letzte und mein erstes. Die 53 vorherigen muss ich verschlafen haben und für das 55. gibt es derzeit noch keinen Platz, der heute genutzte Festplatz in der Nähe des Hauptbahnhofs in Berlin Moabit wird demnächst zur Europacity umgebaut.
Das Fest sollte einst in der Nachkriegszeit der Verständigung zwischen den USA und den Berlinern dienen – ich frage mich, wie ein Riesenrad dabei helfen soll.

Am Eingang stehen zwei Büdchen, in denen gelangweilte Kassierer sitzen. Ich laufe winkend mit meinen zwei Euro auf eine der Buden zu, der schwer tätowierte Mann winkt aber ab und zeigt auf die andere. Dort wird der Eintritt gerade mit 50-Euro-Scheinen bezahlt. Damit hat niemand gerechnet und ich brauche insgesamt wohl fünf Minuten, bis ich auf das fast leere Festgelände darf. Auch der Eintrittskartenzerreißer ist einen Kopf größer als ich und wirkt, als würde er mit Telefonbüchern üben.

Die in der ganzen Stadt verteilten Plakate versprechen Surfer-Chicks in Bikinis, Freiheitsstatue und Live-Musik. Die Überschneidungen zu meinen Erlebnissen sind eher gering: Surfer-Chicks gibt es nicht und der Elvis-Imitator steht allein und ohne Instrumente auf der Bühne. Zwei Kinder tanzen, ein paar Rentner klatschen mit, die Stimmung kocht.
Immerhin trägt die Freiheitsstatue einen Bikini. Nicht wirklich, was ich erwartet habe, aber besser als nichts.

In Wirklichkeit ist das Deutsch-Amerikanische Volksfest aber eher eine Kirmes, ein Rummel, ein Jahrmarkt. Das Amerikanische findet sich im Essen, es gibt Burger und Miller. Die Fahrgeschäfte werden teilweise von Niederländern betrieben, es laufen die schlechteren Titel aus den Charts des vorletzten Monats und die Ansagen haben mehr Echo als der Königsee, “…und jetzt nochmal dabei sein sein sein sein sein…”
In mir macht sich ein Gefühl zwischen “Snatch” und Kindheitserinnerungen breit und bevor gleich One Punch Mickey um die Ecke kommt, haue ich lieber ab.