Flughafen Tempelhof

Seit 2008 ist der Flughafen Tempelhof kein Flughafen mehr. Während vor 40 Jahren hier noch mehr als 4 Millionen Menschen ein-, aus- und umgestiegen sind, kann man heute in übersichtlich großen Gruppen durch das Gebäude stratzen und mehr oder weniger entspannt fotografieren. Es sei denn, es ist gerade wieder Modemesse, Marathon oder Reitturnier und der Flughafen oder die Hangars wurden für Veranstaltungen vermietet. Dann eher nicht.

Im Gegensatz zu vielen anderen verlassenen Orten hat man hier das Gefühl, der letzte, der einzige Mensch zu sein – als wären alle anderen gerade erst gegangen. Alles wirkt funktionsfähig, nur wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass an einer Uhr ein Zeiger fehlt oder anstelle eines Wandtelefons nur noch Wand ist. Wahrscheinlich kann man mit einem comic-haft großen Knopf neben dem Eingang den Flugbetrieb wieder anschalten, es macht nur niemand. Ein bisschen wie im Buch “Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte” oder wie ein Stop-Over mitten in der Nacht in Südkorea.

Auch die lange hier stationierten US-Amerikaner der USAF haben einige Spuren hinterlassen. Ein Basketballfeld zum Beispiel und eine Bowlingbahn – Dinge, die man beim Militär eben so braucht. Beides gab es allerdings bei meinem Wehrdienst in der Uckermark nicht.

Im Keller dagegen findet man eher Relikte aus dem Nationalsozialismus, Luftschutzbunker und andere militärische Einrichtungen. Der monumentale Baustil ist nicht zu übersehen, wenn auch nicht Speer, sondern Ernst Sagebiel den Flughafen Tempelhof entworfen hat. Die Treppenhäuser sind riesig und die Eingangshalle ist eigentlich doppelt so hoch wie sie sich darstellt. Eine Tour durch den Flughafen ist immer auch eine kleine Zeitreise.

Auf dem Rollfeld, das bei den Touren auch begangen wird, steht eine alte Douglas C-54, als Denkmal für die Luftbrücke, sehr fotogen. Die letzte Maschine, die in Tempelhof landete, war jedoch eine Socata TB 10, wegen technischer Probleme. Starten durfte sie nicht mehr und musste deshalb zerlegt auf LKWs aus Tempelhof abtransportiert werden. Wenn das der Flughafen wüsste.