Wünsdorf Waldstadt

Wünsdorf Waldstadt, die verbotene Stadt

Die Waldstadt, oder auch “verbotene Stadt”, liegt ein paar Viertelstunden südlich von Berlin und ist ein Teil von Wünsdorf ist ein Teil von Zossen. Bis 1994 war hier russisches Militär stationiert, zeitweise wohnten 80.000 Menschen aus dem sozialistischen Bruderstaat auf dem abgeschirmten Gelände. Der Bau der Mauer wurde von hier aus koordiniert und manchmal auch die DDR regiert.

Heute kann man per gebuchter Tour die Reste der Bunkeranlagen ankieken oder, wie ich, mit den nicht ganz unumstrittenen go2know das Haus der Offiziere und die danebenstehenden Gebäude der Infanterieschule, von außen und innen. Eigentlich sind das zwei separate Touren, die Standorte liegen aber nur ein paar Meter auseinander und da man ohnehin mehrere Stunden Zeit hat, kann man auch beide an einem Tag schaffen.

Viel gibt es allerdings nicht mehr zu sehen. Die meisten Räume sind leer, alles wirkt aufgeräumt, ich merke deutlich: für ein Abenteuer bin ich 20 Jahre zu spät hergekommen. Die Gebäude sind selten von einem leerstehenden Wohnhaus im Wedding zu unterscheiden, vielleicht bis auf den leerstehenden Kinosaal und die ein oder andere sozialistische Tapete.

Mit mir sind noch etwa 20 bis 30 andere Fotografen auf der Tour. Zumindest während der Tour gibt es einen Pförtner und das Gelände ist umzäunt, ich treffe unterwegs niemanden, der sich ohne Tour auf das Gelände geschlichen hat.
Mit meiner kleinen Knipse sehe ich neben den anderen Teilnehmern aus wie am falschen Ort, riesige Fotorucksäcke und Stative scheinen essenziell zu sein. Ich kann fühlen wie sie innerlich über mich lachen während ihre Kameras vollautomatische HDR Bilderserien anfertigen. Einige sind go2know-Tour-Profis, kennen die Veranstalter und tauschen sich über die vergangenen und nächsten Touren aus. Betreuung gibt es keine, man ist im Prinzip auf sich allein gestellt.

Kann ich die Fototour empfehlen? Eher nicht. In den ehemaligen Heilstätten Beelitz gibt es mehr zu entdecken und man kann sich frei bewegen, jedenfalls solange die Touranbieter noch nicht alles für sich beanspruchen oder die Bebauungspläne umgesetzt werden.